
© Beowulf Sheehan
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Montag, 22. Februar 2027, 19:30 Uhr
Daniel Kehlmann
Afrika
Laeiszhalle
Pre-Opening
Deutschlandpremiere
Harbour Front empfiehlt
Buchpräsentation
Veranstalter: MSK Events GmbH
Eine koloniale Ordnung nimmt Gestalt an, während einer ihrer Verhandler verzweifelt versucht, einen privaten Betrug zu vertuschen. In seinem neuen Roman „Afrika“ führt Daniel Kehlmann in das Berlin des Winters 1884/85. Auf Einladung Bismarcks beraten dort Vertreter europäischer Staaten, der USA und des Osmanischen Reiches über Handel, Besitzansprüche und die Regeln kolonialer Expansion. Afrikanische Vertreter sind nicht beteiligt. Die Schlussakte wird zur Grundlage für die anschließende Aufteilung Afrikas in Kolonien.
Für Österreich-Ungarn sitzt Legationsrat Strinetzky am Verhandlungstisch, weil der Botschafter verhindert ist: Franz Liszt hat ihm ein Klavierstück gewidmet, das geübt werden muss. Strinetzky selbst hat beträchtliche Gelder an einen erfundenen Gutachter namens Doktor Waldbach überweisen lassen, um seine Affäre mit einer Schauspielerin zu finanzieren. Als in Berlin ein wirklicher Waldbach auftaucht, droht der Betrug aufzufliegen. Strinetzky muss 5.000 Gulden beschaffen. Dann fordert ihn auch noch ein preußischer Offizier zum Duell im Grunewald.
Mit diesen Sorgen irrt Strinetzky durch die Konferenz und entwickelt ausgerechnet unter Druck ein Talent für Verhandlungen. Seine private Panik entfaltet sich in der routinierten Sprache der Diplomatie. Der Roman zeigt, wie Verantwortung sich in Verfahren auflösen kann. Seine Komik richtet den Blick auf die Banalität, mit der Geschichte gemacht wird.
Nach „Lichtspiel“ wählt Kehlmann erneut eine historische Konstellation, in der ein Einzelner Teil einer politischen Katastrophe wird, ohne ihre Dimension zu begreifen. Daniel Kehlmann liest aus „Afrika“. Im Gespräch geht es darum, wie Literatur historische Wirklichkeit verwandelt und die koloniale Vergangenheit in die Gegenwart hinein sichtbar macht.
Daniel Kehlmann, 1975 in München geboren, lebt in Berlin und New York. Mit „Die Vermessung der Welt“ gelang ihm einer der größten Erfolge der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. „Tyll“ stand 2020 auf der Shortlist des International Booker Prize; die englische Ausgabe von „Lichtspiel“ stand 2026 ebenfalls auf der Shortlist und machte international Furore. Daniel Kehlmann lebt in New York und Berlin.
„Mein wahrer Name ist Elisabeth“ ist weit mehr als ein Roman. Das vielfach ausgezeichnete Debüt verbindet autobiografische Spurensuche, wissenschaftliche Recherche und literarisches Erzählen. Dokumente, Familienbriefe, Gespräche und persönliche Reflexionen fügen sich zu einer vielstimmigen Erzählung, in der die Autorin zugleich ihre eigene Suche nach Wahrheit nachvollziehbar macht. So zeichnet sie ein ebenso persönliches wie gesellschaftliches Panorama über das Schweigen und Vergessen, vor allem aber über das Fortwirken von Traumata über Generationen hinweg.
Am Schicksal ihrer Urgroßmutter wird zugleich ein dunkles Kapitel der Psychiatriegeschichte sichtbar. Frauen, die nicht dem gesellschaftlich erwarteten Bild entsprachen, galten schnell als „hysterisch“ oder „schwierig“ und wurden weggesperrt. Selbstbestimmung wurde zur Diagnose, Medizin zum Mittel der Kontrolle. Es folgten Lobotomien, Zwangsbehandlungen und jahrzehntelange Internierungen. Biografien wurden ausgelöscht, oft auch aus dem Gedächtnis der eigenen Familien. Adèle Yon holt dieses verdrängte Kapitel zurück ins öffentliche Bewusstsein und zeigt eindrucksvoll, wie Macht, Gewalt und Schweigen bis heute nachwirken.

Adèle Yon, 1994 in Paris geboren, studierte an der École Normale Supérieure und promoviert im kreativen Forschungslabor SACRe. Sie arbeitet als Autorin, Filmwissenschaftlerin und Köchin in Paris. „Mein wahrer Name ist Elisabeth“ ist zugleich literarisches Debüt und Grundlage ihrer Dissertation. In Frankreich wurde das Buch als außergewöhnliches Werk gefeiert, das Literatur, dokumentarische Recherche und Familiengeschichte auf eindrucksvolle Weise miteinander verbindet.
